Vorsingen

Es gibt Phasen, in denen mir die Logopädieschule in Kiel wie ein Bienenschwarm vorkommt. Wenn ich morgens die Schule betrete, assoziiere ich die Vorstellung einer Biene, die in ihr von anderen geschäftigen Bienen bevölkertes wimmelndes Bienenhaus zurückkehrt. Das Auftreten dieses Phänomens häuft sich in der Regel, wenn die Semester zu Ende gehen und dementsprechend Übergabegespräche für Patienten geführt werden, Klausuren zu schreiben sind, Klärungen für die Aufgaben in der externen Praxiszeit vorgenommen werden und generelle letzte Fragen zu beantworten sind. Aber manche Wochen heben sich noch mal davon ab – und die letzte Woche war so eine. Sie begann mit der Präsentation der Hausarbeiten von Kurs XI über 2 Tage (siehe Artikel) und setzte sich fort mit dem Vorsingen in Kurs XII, das sich an die Monate anschließt, in denen unsere Studierenden die Gelegenheit bekommen, ihre Singstimme entweder kennen zu lernen oder weiter zu entwickeln oder Beides… Die Stimmbildnerin setzt in der Einzelarbeit individuelle Akzente wie ‚vorderer Sitz‘, Ausdrucksfähigkeit, Erfahrung mit (manchmal bisher nicht vorhanden geglaubten) Tonlagen und andere…

Natürlich ist die Tatsache, dass ein erarbeitetes Lied mit Piano-Begleitung vor Zuhörern (in der Regel dem eigenen Kurs und Lehrlogopäden) vorgetragen wird, für die meisten einfach STRESS! Und das ist erst mal gut zu verstehen. Der vorher immer wieder angeführte Hinweis, dass es bei diesem Liedvortrag keinesfalls um Leistung oder Vergleich – womöglich noch mit den bekannten Größen des Showgeschäfts – geht, scheint immer wieder zu verpuffen. Worum geht es dann, werden die geneigten Leserinnen vielleicht fragen? Es geht darum, diese Erfahrung einmal gemacht zu haben. Es geht darum, sich einer persönlichen Herausforderung zu stellen und sie zu bewältigen. Und darum, zu erahnen, wie es unseren Stimmpatienten gehen mag, die sich uns mit ihren oft sehr heiseren Stimmen präsentieren und die wir in der Therapie oft auch an Ungewohntes  und an Grenzen heranführen. Und vor allem geht es darum, zu  erfahren, dass eine (gemeinsam gemachte) Erfahrung stärkt und weiter bringt und meistens auch stolz macht darauf, es … geschafft zu haben!

Es war super, Kurs XII, es hat Spaß gemacht, Ihnen zuzuhören und Sie haben es toll bewältigt! Danke an alle dafür, inklusive der einfühlsamen und frischen Stimmbildnerin Dorothee Bärmann und unseren Pianisten!

Veröffentlicht von Beatrice Rathey-Pötzke

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