Besuch der Würzburger Aphasietage

In der Schule für Logopädie im Kieler Schloss hat die vorlesungsfreie Zeit begonnen, da die KursteilnehmerInnen ihre externen Praktika begonnen haben. In dieser Phase, in der die Studierenden nicht unmittelbar an der Lehranstalt betreut werden, besteht für die LehrlogopädInnen die Gelegenheit, selber an Fortbildungen teilzunehmen. Ich habe deshalb die Gelegenheit genutzt, vom 20. bis zum 22. März die Würzburger Aphasietage zu besuchen, die in diesem Jahr bereits zum 17 ten mal stattfanden. Die Besonderheit an dieser Fortbildungstagung besteht darin, dass sie sich nicht nur -wie üblich- an Therapeuten richtet, sondern auch an Betroffene und Angehörige. So sitzen in den Vorträgen und Workshops Fachleute und Aphasiker und ihre Partner nebeneinander und beleuchten das Störungsbild der Aphasie aus den unterschiedlichen Perspektiven.

Besonders beeindruckend war am Eröffnungsabend das Tanztheaterstück der Gruppe Reflektor aus Leipzig, die sich aus professionellen Tänzerinnen und DarstellerInnen mit einer erworbenen Hirnschädigung zusammensetzt.

Ein weiterer Höhepunkt bestand aus einer Ausstellung mit Bildern von Elisabeth Reichhardt. In den Zeichnungen und Collagen (Beispiel siehe Artikelbild) verarbeitet die Künstlerin eindrücklich die Folgen einer Hirnblutung und den langen mühevollen Weg der Rehabilitation. (Ihre Bilder sind vom 28.03. bis zum 20.05.2014 im Therapiezentrum Burgau ausgestellt.)

Sehr anregend war auch die Erfahrung, in einem Seminar den Zusammenhang zwischen Denken und Sprache zu beleuchten. Der Referent war der Philosophieprofessor Helmut Teichmann, der im Alter von 60 Jahren im Herbst 2000 einen Schlaganfall mit Aphasie erlitt.

Wie bereits in früheren Jahren, so war der Besuch in Würzburg auch diesmal ein beeindruckendes Erlebnis, das einen direkten Einblick in die Lebenswirklichkeiten von Menschen mit Aphasie erlaubt und die Bedeutung der Selbsthilfe auch oder gerade bei Aphasie demonstriert. Für alle, die ein tieferes Verständnis für diese Thema entwickeln möchten, kann die Teinahme an den Würzburger Aphasietagen nur empfohlen werden (auch wenn es für Norddeutsche eine relativ aufwändige Anfahrt bedeutet).

P.S. Es blieb auch Zeit für ein Glas Frankenwein auf der alten Mainbrücke unterhalb des Schlosses.

Veröffentlicht von Norbert Frantzen

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Beatrice Beantworten

    Es freut mich, wenn meine Kollegen das Nützlich-Fortbildende mit dem Angenehmen verbinden und so viel mitnehmen können…Danke für den Bericht!

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