Viel Zeit für …?

Wir sollen/wollen alle zu Hause bleiben. Wir sollen/wollen unsere sozialen Kontakte auf ein Minimum reduzieren. Wir werden auf uns selbst zurückgeworfen. Viel Zeit zum Nachdenken, Grübeln, Sorgen machen. Natürlich könnten wir uns jetzt leicht zerstreuen und ablenken, indem wir eine Serie nach der anderen streamen (sofern das Netz stabil genug ist) oder Fernsehsendungen konsumieren, die uns schon vor Corona nicht interessiert haben.

Aber ist diese Phase in der wir uns alle jetzt befinden nicht auch eine Chance inne zuhalten und nachzuspüren, was wir wirklich wollen, was uns wichtig ist?

Wie auch immer jeder Einzelne von uns mit den aktuellen Herausforderungen umgehen mag und welcher Weg beschritten wird, um den Lagerkoller zu vermeiden, hilfreich und Mut machend sind für mich auf jeden Fall die zahlreichen kreativen Ideen trotz allem Kultur erleben zu können (z.B. gefilmte Konzerte von Bands in geschlossenen Clubs etc.), genauso wie die vielen Tipps, mit welcher Buchlektüre man seine Zeit sinnvoll anreichern könnte.

Ich habe für mich den Hörfunk neu entdeckt und verfolge Hörspiele und Features auf NDR Info.

Gestern lief „Das halbe Hirn oder: Eigentlich müsste ich tot sein“ von Jens Dücker ( zu finden in der Mediathek unter:

https://www.ndr.de/nachrichten/info/sendungen/das_feature/Feature-Das-halbe-Hirn,audio631898.html).

Auch wenn der Titel erst einmal nicht so erbaulich klingt und scheinbar nicht zu der ohnehin schweren Situation, in der wir momentan leben, passt, möchte ich dieses Hörstück empfehlen.

Der Autor beschreibt darin seinen eigenen Weg wie er sich trotz mehrerer Schlaganfälle wieder zurück ins Leben kämpft. Auch wenn es nicht explizit um gestörte Sprache geht (die Infarkte waren in der rechten Gehirnhälfte) – die Sendung gibt einen tiefen Einblick in das Erleben eines solchen Schicksalsschlages und beleuchtet darüber hinaus eindrücklich die Empfindungen der Angehörigen.

Ich wünsche allen Lesern, dass sie gut durch die nächsten Wochen kommen.

P.S. Logopädisch weniger relevant: wir haben als Familie die beruhigende Wirkung eines 1000 Teile Puzzles wiederentdeckt

P.S. Ich bin mir sehr bewusst, welches Luxusproblem es bedeutet, sich Gedanken darüber machen zu können, wie man die neu gewonnene Freizeit sinnvoll füllen könnte und welches Privileg es darstellt, kulturellen Empfehlungen nachgehen zu können. Und bin all den Menschen sehr dankbar, die z.Zt. den „Laden am laufen halten“, die raus müssen und nach ihrer Arbeit viel zu erschöpft sind, um noch Freizeitaktivitäten genießen zu können: das Pflegepersonal, die Ärzte, die Sicherheitskräfte, die Postboten, die Angestellten in Lebensmittelgeschäften, die LKW-, Bus-, U-Bahn-, Zugfahrer und und und…!!!

 

Veröffentlicht von Norbert Frantzen

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