Sprich, damit ich dich sehe

Es ist Sommer, in der Kieler Logopädieschule sind die Büros aufgeheizt. So schön es ist, dass die Lehranstalt im historischen Schloss untergebracht ist, so bringt diese Tatsache leider mit sich, dass keine Sonnensegel oder ähnliches angebracht werden können, da das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Erfreulicherweise werden aber in dieser Phase bevorzugt Urlaubstage in Anspruch genommen, die es ermöglichen nicht ununterbrochen im Büro sitzen zu müssen, sondern umher reisen zu können. Auf einer dieser Reisen, auf dem dem Weg in den Süden: ein Zwischenstopp, um die weite Anreise aus dem hohen Norden angenehm zu unterbrechen. Die Wahl fällt auf Ludwigsburg, wo der Kunstverein eine Ausstellung von/über Liu Bolin zeigt. Der Künstler (jg. 1973) ist bekannt geworden durch seine Fotos, auf denen er sich so an den Hintergrund anpasst, dass er als Person kaum mehr wahrnehmbar ist. Wie im Begleitheft zur Ausstellung zu lesen ist, will der Künstler mit seinen Werken „den Konflikt zwischen Individum und Gesellschaft aufzeigen“.

In der Abbildung zu diesem Artikel kann man ihn schwach inmitten einer Vielzahl von Mobiltelefonen erkennen.  Mich sprach dieses Motiv besonders an, weil es eindrücklich die Herausforderung des modernen Menschen zeigt, in der Flut moderner Massenkommunikation nicht unter zu gehen und wie schwer es für den Einzelnen ist,  Kontur zu bewahren und als einzigartiger Mensch erkennbar zu bleiben. Das gilt noch einmal mehr für Menschen, die aufgrund von Einschränkungen in ihrer Kommunikationsfähigkei nicht problemlos auf alle sprachlichen oder stimmlichen oder sprechmotorischen Fähigkeiten zurückgreifen können.

In diesen Fällen ist es die Aufgabe der Logopädie dabei mitzuhelfen, den Menschen hinter der gestörten Sprache wahrnehmen zu können und die betroffenen Personen wieder in die Lage zu versetzen, sich erkennbar machen zu können.

Veröffentlicht von Norbert Frantzen

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