Sailing Yacht A

Sailing Yacht A? Dies ist der Name des größten Segelschiffes der Welt, das allerdings auch und hauptsächlich von seinen Motoren angetrieben wird. Sein Bau wurde in Auftrag gegeben von einem überaus vermögenden russischen Geschäftsmann, der dem Schiff den Namen nach seiner Frau Aleksandra gab. Warum findet dieser Vorgang Erwähnung auf dem Blog der Logopädieschule Kiel? Weil der Bauplatz des Schiffes direkt gegenüber der Fensterfront der Kieler Logopädieschule an der Kieler Förde liegt und alle, die diese Schule besuchen – Schüler, Dozenten, Lehrlogopäden und Patienten über viele Monate seine ungewöhnliche Silhouette (entworfen vom berühmten Designer Philipp Starck) tagtäglich betrachten konnten. Wie jede eigenwillige Architektur erfährt auch diese nicht nur Begeisterung; aber Individualität kann ihr nicht abgesprochen werden. Den einen flößt sie Unbehagen ein, die anderen sind schon aufgrund ihrer schieren Größe beeindruckt (die Masten betragen 90 und 100 m Höhe!) und die nächsten bewundern die technische Errungenheit eines ultramodern ausgestatteten futuristisch wirkenden Schiffs, das Motor- und Segelschiff zugleich ist und durch seine besondere Außenhaut bei günstiger Sonneneinstrahlung ein gleißendes Spiegeln reflektiert. Eins steht fest: Wo sie am Horizont auftauchen wird, wird sie die Blicke  – ob wohlwollend oder ablehnend – auf sich ziehen. Gern würde ich sie mal von innen betrachten…aber nicht nur, weil dort (neben dem Platz für 60 Besatzungmitglieder) nur Raum (viel Raum, luxuriöser Raum, schätze ich) für 12 Passagiere ist, werde ich wohl nicht zu seinen Gästen gehören. Sie ist eben eine Privatyacht und kein Kreuzfahrer.  Aber welch eine Gelegenheit war es, sie immer wieder  gesehen zu haben, nachdem sie dann nicht mehr vor den Augen der Öffentlickeit versteckt wurde, zu spinnen, wohin sie irgendwann fahren wird, welche Gespräche auf ihr geführt werden und ob sie glückliche Gäste beherbergen wird. Alles weit entfernt und Tagträumerei, stimmt. Aber ich konnte mich ihrer Wirkung nicht ganz entziehen. Heute, heute – noch liegt sie etwas mysteriös und still im Dock, umhüllt von Kieler Nebel – ist nun der Tag ihrer Abfahrt und Verabschiedung vom Geburtstort.  Ihre Segel wird sie erst in südlichen Gewässern hissen; wir im Norden werden das wohl nie zu sehen bekommen. Aber es gibt Trost: Wir freuen uns auf die Fördedampfer, die Fähren, die die Kieler Förde im Sommer durchkreuzen, auf die vielen kleinen und großen Traditionssegler, die uns während der Kieler Woche besuchen werden und natürlich die Kreuzfahrtschiffe, die uns auch in diesem Jahr in großer Zahl besuchen und direkt vor unseren Büro – und Seminarraumfenstern anlegen werden, den ganzen Sommer lang. Sie werden unser Fernweh beflügeln, wir werden Blicke riskieren, wenn ihre Kapitäne immer wieder aufs Neue das Meisterstück vollbringen, diese riesigen Metallmassen sanft an der Kaimauer anzulegen und zusehen, wenn Passagiere wieder abreisen oder mit ihren Koffern in die Eincheckregion gehen…es wird also nicht monoton werden; weder in der Schule noch beim Blick aus der Schule heraus! Welch ein Glück!

Veröffentlicht von Beatrice Rathey-Pötzke

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