Kannitverstan

Erinnern Sie sich? Sind Sie diesem Ausdruck vielleicht mal im Deutschunterricht begegnet?  Kannitverstan bedeutet im Niederländischen ‚Ich kann Sie nicht verstehen‘. Der deutsche Autor Johann Peter Hebel hat einer seiner Kurzgeschichten (1808) diesen Titel gegeben. In der Geschichte geht es u. a. um philosophische Betrachtungen zu Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit des Lebens, aber das soll jetzt nicht das Thema sein. Hier geht es mir gerade um den wichtigen Akt des Verstehens von Sprache in der kindlichen Entwicklung, der in der Linguistik lange vernachlässigt wurde und in der Logopädie auch manchmal in den Hintergrund rutscht. Dabei ist das Verstehen von Sprache eine der vielen wichtigen Voraussetzungen, damit Kinder gut in die Sprachproduktion gelangen. Das Verstehen von Sprache auf den unterschiedlichen linguistischen Ebenen (das heißt im Bereich der Lautunterscheidung (phonematisch-phonologisch), der situativen Einbettung (Pragmatik), der Wortbedeutung (Semantik und Lexikon), und der Grammatik (Morphologie und Syntax) bildet somit in der kindlichen Entwicklung die Basis für die spätere aktive eigene Produktion von Sprache. Das hört sich auf den ersten Blick etwas komplex an – und das, was das Gehirn dabei leistet, ist auch sehr komplex und noch lange nicht hinreichend erforscht. In der Logopädieausbildung an der Logopädieschule Kiel wird all das, was darüber bekannt ist,  ‚häppchenweise‘ und gut verständlich so vermittelt, dass es die späteren Logopädinnen und Logopäden gut nachvollziehen und später effektiv anwenden können. Es gilt jedenfalls: Check des Sprachverständnisses zu Beginn der Therapie nicht vergessen und im Blick behalten; vielleicht liegt hier ein Teil des Problems – oder das Problem!

 

Veröffentlicht von Beatrice Rathey-Pötzke

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