Seit vielen Jahrzehnten gibt es in Deutschland Bestrebungen von Politik, von Vereinen, von Selbsthilfegruppen und Einzelpersonen, den Umgang mit Menschen, die eine Behinderung haben, zu thematisieren und diesen Menschen eine selbstverständliche Teilhabe an Erziehung, Sport, sozialem Leben und größtmögliche Eigenständigkeit zu ermöglichen. Und doch löst der Kontakt mit behinderten Menschen häufig eine Verunsicherung aus bei Menschen, denen dieser nicht aus familiären, persönlichen oder beruflichen Hintergründen selbstverständlich ist. In der letzten Woche zeigte die ARD mehrere Beiträge, in denen Menschen mit Down-Syndrom (auch Trisomie 21 genannt) im Mittelpunkt standen. Am Mittwochabend thematisierte der Film ‚So wie du bist‘ u. a. genau diese Hürde bei der Kontaktaufnahme und darüber hinaus die sensible  Frage, wie es denn gehen kann, wenn zwei behinderte Menschen sich nach Beziehung, selbständigem Wohnen und vielleicht Familiengründung sehnen. Es ist ein Film,  der nicht nur durch die schöne Entwicklung der Geschichte und die Darstellung sehr ‚menschlicher‘ Verhaltensweisen – bei allen Beteiligten -, sondern auch durch die Leistung der Schauspieler beeindruckt. Sebastian Urbanski, Juliana Götze und Gisela Schneeberger geben mit vielen anderen eine sehr berührende Vorstellung darüber, wie es auch gehen kann. Der Film benutzt auch Klischees, hat aber viele unerwartete und witzige Situationen und erzählt eine Geschichte, wie sie sich tatsächlich ereignen könnte.

Er ist bis Dienstag in der Mediathek des ARD zu sehen. http://www.ardmediathek.de/das-erste/filmmittwoch-im-ersten/so-wie-du-bist?documentId=15258508

Und wenn Sie dann schon auf der Seite sind: Gleich nach dem Film wurde eine Sendung des Fernsehmoderators Kai Pflaume gezeigt, der Sebastian Urbanski, den einen Hauptdarsteller von ‚So wie du bist‘ und andere Menschen mit Down-Syndrom zu Hause und auf ihren Arbeitsstellen oder im privaten Umfeld besucht hat und hier durch die Direktheit im Kontakt mit seinen Gastgebern und die unkomplizierte Art, mit ihnen auch ’schwierige‘ Themen anzusprechen, beeindruckt. Auch die Frage, wie selbstverständlich eine – durch die diagnostischen Möglichkeiten heutzutage sehr verbreitete – Abtreibung dieser Kinder sein darf bzw. sollte, wird aus Sicht der ‚Betroffenen‘ angesprochen. Mein Prädikat für diese Film-Reihe: Sehr sehenswert!

Da unsere Gesellschaft noch nicht imstande ist, die bestehende Vielfalt der Menschen als ’normal‘ anzusehen, braucht es sicher noch viel mehr Aufklärung und Schritte wie diesen von Herrn Pflaume und der ARD. Die Berühmtheit von Medienpersonen bringt hier vielleicht Aufmerksamkeit, die sonst nicht selbstverständlich ist. Daher: Weiter so!

 

 

 

Veröffentlicht von Beatrice Rathey-Pötzke

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