Seit vielen Jahren ist der logopädische Berufsverband (dbl e.V.) bemüht, die Weichen in Richtung der Akademisierung der Ausbildung zu stellen. In Folge des Bolognaprozesses und der Öffnungsklausel gibt es inzwischen auch in ganz Deutschland für die Auszubildenden der Logopädie zahlreiche Möglichkeiten zusätzlich zur staatlichen Anerkennung einen Bachelor Abschluss zu erreichen. Auch die Schule für Logopädie in Kiel bietet durch ihre Kooperation mit der Medical School Hamburg diese zusätzliche Option (siehe früheren Artikel). Dadurch entstehen nicht nur für die LogopädieschülerInnen, sondern auch für berufstätige KollegInnen u.a. die Fragen: „Soll ich auch studieren?“ „Muss ich studieren, um am Markt zu bestehen?“  „Was habe ich inhaltlich davon?“ Wird sich das auf die Bezahlung auswirken?“ „Wann ist für mich der richtige Zeitpunkt?“ „Würde es mir nach einem Studium so ergehen wie Goethes Faust: Habe nun, ach! Logopädie durchaus studiert mit heißem Bemühn. Heiße Bachelor, heiße Magister gar. Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor!?“

In loser Reihenfolge wollen wir diesen Fragen an dieser Stelle nachgehen, indem wir LogopädInnen zu Wort kommen lassen, die berichten, welche Antworten sie für sich gefunden haben. (An dieser Stelle ein „Danke!“ an alle Mitwirkenden für die Arbeit und die Offenheit!) Vielleicht findet der ein oder die andere LeserIn dadurch Anregungen, die bei der persönlichen Entscheidung hilfreich sind.

Es beginnt Stephanie Konheiser (Jahrgang 1986), die ihre Logopädieausbildung an der Schule für Logopädie in Kiel von 2006 bis 2009 absolvierte: „Nach meinem Examen zur Logopädin habe ich mich entschlossen, im Anschluss nicht sofort zu studieren, sondern Vollzeit in einer logopädischen Praxis anzufangen. Für diese Entscheidung gab es für mich damals mehrere Gründe. Einerseits wollte ich das theoretische Wissen, welches ich in den drei Jahren Ausbildung erworben hatte, endlich praktisch anwenden, mich also als Therapeutin „ausprobieren“. Zusätzlich war ich nach 13 Jahren Schule und 3 Jahren Ausbildung, die sehr lernintensiv waren, einfach „lernmüde“ und freute mich, jetzt ins Berufleben einsteigen zu können. Mir erschien es außerdem interessanter, spezifisches Wissen lieber in Fortbildungen zu sammeln und die Möglichkeit zu haben, dieses sofort praktisch umsetzen zu können. Natürlich haben aber auch wirtschaftliche Faktoren zur Entscheidungsfindung beigetragen, da ein Studium genau wie die Ausbildung hohe Gebühren mit sich bringt. Nach 2 Jahren Berufserfahrung schließe ich mittlerweile aber nicht aus, zukünftig ein begleitendes Studium zu beginnen, um meine Qualifikation weiter auszubauen. Mir war und ist jedoch wichtig, dass ich diesen Schritt  erst nach mehreren Jahren praktischer Arbeit und den damit verbundenen Erfahrungen gehen werde.“

Veröffentlicht von Norbert Frantzen

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