einzigartig!!?!

Es gibt viele Kennzeichen, die einen Menschen einzigartig machen. Ein charakteristisches Merkmal stellt die Stimme dar: ihr Klang, ihre Färbung, die Tonhöhe und Lautstärke, die Prosodie – um nur einige Parameter zu nennen – sind bei jedem Menschen unverwechselbar. Das liegt an den anatomischen Gegenheiten der Körperteile, die für die Stimmproduktion zuständig sind und den daraus resultierenden physiologischen Prozessen: die Größe und Elastizität der Atemorgane, die Länge und Anspannung der Stimmlippen im unterschiedlich großen Kehlkopf, die Verschiedenheit des Mundraums, des Zahnstatus, die Resonzräume der Nasennebemhöhlen: all das (und viel mehr) macht die Stimme zu einem individuellen Ausdrucksmittel.  Ganz unabhängig von den geäußerten Inhalten/Meinung transportiere ich also bereits viele Informationen mit/durch meine/r Stimme. So kann z.B. jeder auch am Telefon sofort an der Stimmqualität erkennen, in welcher Stimmung sich der Gesprächspartner befindet. Der Zusammenhang zwischen den Begriffen „Stimme“ und „Stimmung“ ist nicht zufällig. Da wir uns mit unserer Stimme identifizieren und sie ein Teil unserer Persönlichkeit darstellt ist es nicht verwunderlich, dass Patienten, die aufgrund von Stimmstörungen Veränderungen des Stimmklangs erleben, darunter leiden. In der logopädischen Therapie stehen deshalb nicht nur Körperwahrnehmungs-/Atem- und Stimmübungen auf dem Programm, sondern sie umfasst auch  Beratung und Gesprächsanteile.

Bedenkt man wie sehr die Stimme zur Person gehört, beschleicht einen ein mulmiges Gefühl, wenn man hört, dass es inzwischen technisch möglich sein soll, die menschliche Stimme perfekt zu kopieren. Sobald das entsprechende Computerprogramm mit Hilfe einer Tonaunaufnahme eine Analyse meiner Stimm-/Sprechparamenter vorgenommen hat, kann es einen schriftlich eingegebenen Text in dieser Stimme sprechen zu lassen. Den Fälschungsversuchen wäre Tür und Tor geöffnet. (Nicht auszudenken, was es für Konsequenzen haben könnte, z.B. Politiker vermeintlich etwas sagen zu lassen, was sie aber nie geäußert haben.)

Aus der Welt der digitalen Bildarbeitung kennt man diese Manipulationen ja bereits, so dass die Bildredaktionen der Zeitungen/Zeitschriften angebotene Fotos sehr gut prüfen müssen, um sich von ihrer Echtheit zu überzeugen.

Dass diese Vorsicht in Zukunft auch für das gesprochene Wort gelten muss, stellt eine bedenkliche „Weiterentwicklung“ der sogenannten postfaktischen Gesellschaft dar.

 

 

Veröffentlicht von Norbert Frantzen

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