Big ships

Ja, ich weiß – es gibt kontroverse Meinungen zum Thema große Schiffe und insbesondere zu denen, die nicht den Welthandel sichern, sondern nur zum Spaß mit vielen erholungshungrigen Urlaubern so über die Weltmeere tuckern, um diese und die Atmosphäre zu verschmutzen…trotzdem schreibe ich jetzt  über eins, über ein Kreuzfahrtschiff. Es drängt sich einfach auf, denn wann immer ich den Kopf, am Schreibtisch sitzend, etwas nach rechts drehe, sehe ich es, muss es sehen, kann nicht über es hinweg sehen. Dafür ist es einfach zu groß. Und es ist schön! Also, ich finde es schön. Und besonders freue ich mich über den Anblick, weil die Kieler Förde während der Wintermonate so zwischen Mitte Oktober und April eher kreuzfahrerfrei ist. Gewiss, der Raddampfer Freya zieht auch im Winter – kitschig-schön beleuchtet – seine Runden – ganz reduziert lassen sich hier und da auch die ,Fördedampfer‘ blicken. Aber Kreuzfahrer im Winter? Das ist eine Seltenheit! Es ist die Mein Schiff 2, die sich direkt vor den Fenstern der Logopädieschule Kiel zurzeit breitmacht. Und sie ist nagelneu, so war es neulich in den Kieler Nachrichten zu lesen. Seetauglich ist sie schon; schließlich hat sie schon die Fahrt von ihrer finnischen Ursprungswerft nach Kiel gemeistert. Nun geht es hier am Kreuzfahrerterminal nur noch darum, das Schiff mit seiner letzten Ausstattung zu versehen, bevor es nächste Woche seinen regulären Dienst antritt. Und – so war es auch zu lesen – der Kapitän wollte das neue Schiff nicht gleich mit dem sich in finnischen Gewässern bildenden  Eis in Kontakt kommen lassen. Also schnell nach Kiel, wo es zurzeit weit und breit kein Eis zu sehen gibt. Ein paar Tage noch also dürfen die Passanten am Kai sich wundern und wir uns freuen, denn so ein Schiff ruft bei der einen Erinnerungen an Seereisen wach und bei dem anderen weckt es das Fernweh…und was es noch tut bei den Kritikern der touristischen Seefahrt, lasse ich heute mal beiseite. Ich freue mich an den gelben und schwarzen Gestalten, die die Joggingstrecke des Schiffs begehen und dort irgendetwas ausmessen? … und auf dem Dach unterm Schornstein auftauchen. Ich sehe den schwimmenden gelben Kran, der sich in der Nähe des Bugs platziert hat und den Strom großer Pakete, der scheinbar pausenlos in einer der Ladeluken verschwindet. Geschäftig wirkt das, aber nicht hektisch. Morgens, wenn ich ins Büro komme, sehe ich als erstes das Schiff in voller Beleuchtung und das sehe ich im Sommer so nie, denn wenn es dunkel wird, bin ich nicht mehr in der Schule. Und ich denke, die arbeiten dort und ich hier und bei all dem faden Regen und Januargrau gibt der Anblick mir einen Hauch vom Sommer, von den fernen Meeren und Ländern, die dieses Schiff sehen wird und das hat gerade eine gute Wirkung auf mich. So sage ich Ahoi und wünsche diesem Schiff allzeit weit mehr als eine Handbreit Wasser unter dem Bug!

Veröffentlicht von Beatrice Rathey-Pötzke

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