Viele kennen sie: die große Bausparkasse, die mit dem Slogan wirbt, dass durch den Bau eines Eigenheims ein Zuhause geschaffen wird (und viele werden auch die dazu passende kurze Melodie im Ohr haben: ta ta ta ta ta ta ta ta ta taaa ta – ta ta – ta). Aber was ist mit denen, die keine Lust auf ein Eigenheim haben oder denen das nötige Geld fehlt, einen Bausparvertrag abzuschließen?

Geht es denen so wie es Rilke in seinem Gedicht „Herbsttag“ beschrieben hat:

„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“

Hier wird angedeutet, dass man auch in der Sprache, z.B.  beim „Lesen“ und „Briefe schreiben“, eine Zuflucht und Heimat finden kann. Christian Morgenstern hat die Bedeutung der Sprache für das „sich-zu-Hause-fühlen“ noch deutlicher ausgedrückt, wenn er formuliert: „Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird.“ Mit dem zweiten Teil dieser Aussage betont Morgenstern zusätzlich die Wichtigkeit des kommunikativen Miteinanders. Es ist auf Dauer vielleicht nicht befriedigend nur zu lesen, nur Briefe zu schreiben, sondern es braucht eines Gegenübers an den Signale gesendet werden können, der die empfangenen Zeichen versteht und auch reagiert. Dabei gilt, um einen weiteren klugen Kopf zu zitieren, „Verständigung kann nur mit dem Wohlwollen der Anderen gelingen“ (Max Frisch). Das gilt umso stärker im Umgang mit den kommunikationseingeschränkten Menschen, die Unterstützung, Therapie und Beratung bei LogopädInnen suchen.

Insofern ist es das Bestreben in der Logopädieausbildung an der Schule für Logopädie im Kieler Schloss, die Auszubildenden zu befähigen, sich mit professionellem „Wohlwollen“ den Verständigungsschwierigkeiten der Patienten anzunähern. Außerdem gehört es zu den logopädischen Aufgaben durch Angehörigenberatung eine Basis zu schaffen, dass sich die Patienten auch in ihrem Umfeld wieder in ihrer -wenn auch gestörten- Sprache zu Hause fühlen können.

Veröffentlicht von Norbert Frantzen

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