Wenn Essen zum Problem wird

Eigentlich ist die Nahrungsaufnahme für uns ein hochautomatisierter Prozess. Deswegen ist uns nicht bewusst, dass bei jedem Schluckvorgang (und das sind immerhin bis zu 2000 pro Tag) ein komplexes Zusammenspiel von 50 Muskelgruppen, verschiedenen Hirnnerven und diversen anatomischen Strukturen sttfindet. Erst wenn es mal nicht so selbstverständlich ist zu schlucken (z.B. nach einem Zahnarztbesuch bei dem eine Betäubung notwendig wurde) oder es zum Verschlucken kommt, merken wir, dass bei diesem lebensnotwendigen Vorgang auch etwas schief gehen kann. Diese Situation erleben Patienten, die an einer Kau-/Schluckstörung (Dysphagie) leiden, permanent.

Aber nicht erst im Falle von Erkrankungen kann es zu Auffälligkeiten bei der Nahrungsaufnahme kommen: auch im Laufe des normalen Alterungsprozesses führen z.B. die Veränderungen in der Wahrnehmung und die Abnahme der Muskelkraft zu Einschränkungen beim Essen und Trinken. Dann ist nicht nur die ausreichende Versorgung mit notwendigen Nährstoffen gefährdet, sondern die Betroffenen empfinden es auch als massive Einschränkung ihrer Lebensqualität, nicht mehr all das zu sich nehmen zu können was schmeckt. Denn der Volksmund wusste ja schon immer, dass Essen nicht nur Leib, sondern auch Seele zusammen hält.

Am 28. August 2014 fand in der Fachhochschule Flensburg eine eintägige Veranstaltung statt, die sich der Thematik annahm. Dazu eingeladen hatte die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung in Schleswig-Holstein e.V. (LVGFSH) im Rahmen des Interreg 4 a Projektes HANC (Healthy Ageing Network of Competences). Es nahmen ca. 110 Teilnehmer aus den Bereichen Pflege, Ernährung, Medizin, Therapie teil. die mehrere Vorträge hörten und an Workshops teilnahmen. Die Schule für Logopädie des IBAF war vertreten durch Norbert Frantzen, der in einem Workshop die Problematik der Dysphagie aus logopädischer Sicht beleuchtete.

Insgesamt wurde wieder einmal deutlich welche große Herausforderung der Umgang mit kau-/schluckbeeinträchtigten Menschen für alle Beteiligten darstellt und dass es, um Erfolge zu erzielen, einer engen Zusammenarbeit aller (Ärzte, Therapeuten, Angehörige, Pflegepersonal, Diätassistenten uvam.)  bedarf. Insofern war es sehr gut, dass diese Veranstaltung noch einmal die Wichtigkeit der Informationsweitergabe zwischen allen beteiligten Personengruppen und Institutionen hervorhob, denn v.a. an der Schnittstelle zwischen stationärer Rehabilitation und ambulanter Weiterversorgung geht allzu oft wichtiges verloren.

Links:

http://lvgfsh.de/gesundheitsfoerderung/arbeitsschwerpunkte/europaprojekte/hanc.php

http://lvgfsh.de/media/pdf/Pressemitteilungen/2014/%28PM%2014%20-%20Fachtagung%20Schluckst%C3%B6rungen%20-%20Nachbericht%20-%20140902%29.pdf

Veröffentlicht von Norbert Frantzen

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. "Schwester Stefanie" Beantworten

    Aspirationspneumonien machen einen hohen Anteil der Letalität bei Pflegebedürftigen aus und die gut gemeinte Theorie scheitert oft am knallharten Pflegealltag.
    Ich finde es daher sehr wichtig, dass immer wieder auf die Problematik „Dysphagie“ aufmerksam gemacht wird.
    Schöner Beitrag!

  2. Marleen Beantworten

    Oh daran hätte ich gern teilgenommen, aber leider erst durch diesen Artikel davon erfahren.
    Wo wurde es publik gemacht das diese Versanstaltung stattfindet?

    • Norbert Frantzen Beantworten

      Die Verteilung der Einladungen und die Ankündigung wurde von der Landesvereinigung organisiert, deswegen weiß ich nicht, welche Wege der Informationsweitergabe genutzt wurden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert