Einfühlungsvermögen in die Situation von Menschen mit Aphasie und tieferes Verständnis für die komplexen Folgen dieser Sprachstörung-Lernziele in der Logopädieausbildung

 

Inzwischen hat die Denkweise und Struktur der ICF der WHO in alle Bereichen der Logopädie Verbreitung gefunden.

So auch im Bereich der neurologischen Störungen und den daraus resultierenden Sprach-, Sprech- und Kau-/Schluckproblemen: die Ebenen Aktivität und Partizipation beeinflussen den Umgang und die Zielsetzungen mit den betroffenen Patienten, indem kommunikative Auswirkungen und psycho-soziale Folgen berücksichtigt werden.

Nur so wird ein umfassender Blick auf den ganzen Menschen ermöglicht, bei dem die  Aspekte Ressourcenorientierung und Lebensqualität für das logopädische Handeln zunehmend mehr Bedeutung gewinnen.

Eine Logopädieausbildung, die sich diesen erweiterten Sichtweisen nicht verschließen will, sollte für  ihre Auszubildenden Möglichkeiten schaffen, die ganze Bandbreite des Schicksals „Aphasie“ besser nach vollziehen zu können.

Aus diesem Grund führten wir u.a. an unserer Lehranstalt in Kiel in Kooperation mit den regionalen Aphasie-Selbsthilfegruppen mehrere öffentliche Informationsveranstaltungen zum Thema „Aphasie und Lebensqualität“ durch, an denen unsere Schüler/-innen aktiv teilnahmen.

Dabei wurde das Erleben von Aphasiker und ihren Angehörigen in den Mittelpunkt gerückt, indem Betroffene Auszüge aus ihren Buchveröffentlichungen vorlasen und moderierte Podiumsgespräche stattfanden, in denen die Beteiligten sehr eindrücklich aus ihrem Alltag berichteten, wobei deutlich wurde wie sehr sich das Leben insgesamt ändert und welch enormer Energieaufwand von allen Beteiligten tagtäglich geleistet werden muss, um die Verständigung trotz der sprachlichen Schwierigkeiten zu ermöglichen.

Die Auszubildenden erhielten durch die Veranstaltungen nicht nur ein tieferes Verständnis für die komplexen Folgen neurologisch-bedingter Sprachstörungen für die betroffenen Menschen, sondern bekamen auch eine Vorstellung davon, wie sie in ihrer späteren Tätigkeit  die Aphasiker auf ihrem Weg begleiten und dabei unterstützen können, ein mehr an Lebensqualität  zu erzielen.

Veröffentlicht von Norbert Frantzen

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