Andicken ja – aber richtig

Im elektronischen Posteingang erreicht einen ja so manches und natürlich sind auch LogopädInnen nicht vor mehr oder weniger informativen e-mails sicher. So erreichte uns vor kurzem eine Nachricht mit der auffälligen Betreffzeile, die „Tipps zum sicheren Andicken“ versprach. Schmunzelnd wundert man sich zunächst, dass in Zeiten von Schlankheitswahn und figurbetoneneden Diäten solche Vorschläge unterbreitet werden. Aber es gibt ja zu allem Gegenbewegungen, denn es könnte vielleicht etwas mit der slow food Bewegung zu tun, mit dem genussvollen Verkosten erlesener Köstlichkeiten, bei dem die Folgen für die Leibesfülle billigend in Kauf genommen werden.

Bei genauerer Betrachtung ließ sich jedoch feststellen, dass es sehr wohl um ein logopädisches Thema ging – und zwar ein sehr ernstes: um die Folgen und therapeutischen Möglichkeiten bei sogenannten Dysphagien. Dabei handelt es sich um Kau- und Schluckstörungen, die nach zahlreichen Erkrankungen auftreten können: z.B. nach Krebsoperationen im Hals-/Rachenbereich oder aber nach neurologischen Erkrankungen. Die mehr oder weniger gravierenden Einschränkungen der Nahrungsaufnahme können die Anlage einer Magensonde (sogenannte PEG) erforderlich machen, die eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen und Flüssigkeit ermöglicht. In weniger schweren Fällen ist es ausreichend, durch eine Anpassung der Konsistenz der Nahrungsmittel und Getränke eine orale Ernährung aufrecht zu erhalten.

Und darum ging es in der mail: um die therapeutischen Möglichkeiten, Trinken durch gezieltes Andicken wieder möglich zu machen und dem Patienten dadurch ein Stück Lebensqualität zurückgeben zu können (siehe www.dysphagie.de). Dieses Tätigkeitsfeld logopädischer Arbeit wird vermutlich noch größer, da durch die Fortschritte in der Intensivmedizin und die rasche Notfallversorgung von Schlaganfallpatienten in stroke units, immer mehr Patienten auch mit schweren neurologischen Schädigungen überleben werden, die symptomatisch auch Dysphagien aufweisen können. Verständlicherweise existieren bei vielen LogopädInnen (v.a. Auszubildenden und BerufsanfängerInnen) Berührungsängste bei diesem Störungsbild, da es hier wie in keinem anderen logopädischen Bereich um Vitalfunktionen geht und Fehleinschätzungen und therapeutische Fehler gravierende Konsequenzen haben können. Deswegen ist es wichtig, die ersten Behandlungserfahrungen in diesem Bereich unter enger Begleitung einer erfahrenen Kollegin machen zu können, nachdem die theoretischen Grundlagen in der Ausbildung gelegt wurden, wie das natürlich auch an der Logopädieschule Kiel der Fall ist.

Veröffentlicht von Norbert Frantzen

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