Glück – kann man das machen?

Das Glück: Wer wünscht es sich nicht, glücklich zu sein?  Aber würden wir das überhaupt aushalten, so ein Dauerglück? Immer auf der Wolke schweben? Die Chinesen haben nicht umsonst ihrem Yin/Yang- Konzept beide Seiten zugeordnet: Dunkel/ hell; Erde/ Himmel; männlich/ weiblich; Tag/ Nacht; Sonne/ Mond; positiv/ negativ. Das Schöne an dieser Sicht auf die Welt ist, dass bildlich dargestellt wird (durch den Kreis mit einer schwarzen und einer weißen Hälfte, wobei sich in der jeweiligen auch ein Element der anderen findet), dass das eine das andere bedingt bzw. sogar definiert und das erst beide zusammen zu einem Ganzen werden können, z. B. Tag und Nacht zu einem Tag auf der Erde. Das weiß auch Meik Wiking, ein Däne, der vor einigen Jahren das Happiness Research Institute, also das Institut zur Erforschung des Glücks gegründet hat. Er fühlte sich durch die mehrfache ‚Ernennung‘ Dänemarks als glücklichstes Land der Erde veranlasst, genauer hinzusehen und zu untersuchen, was genau dazu führen könnte, dass seine Mitbürger zu den glücklichsten auf dem Planeten Erde gehören. Laut seinen Aussagen wird im Happiness Institute also nicht permanent ein Glücksgefühl gesucht oder empfunden, sondern sehr ernsthaft geforscht, um das Glück besser zu verstehen. Wiking und seine Mitarbeiter unterscheiden dabei Glücksgefühle in Glücksmomenten von dem Grad des generellen Glücks, das Menschen in ihrem Leben empfinden. Dabei ist es interessant, festzustellen, dass das reichste Land der Erde, Qatar, im Glücksranking (nur) an der 35. Stelle steht. Costa Rica hingegen, ein armes Land, befindet sich an 12. Stelle! (Die Aussagen der Deutschen in den Erhebungen führten zum Platz 19.) Was also macht denn die Dänen und die Schweizer (die gleich nach den Dänen folgen und dann kommen die Norweger) nun so glücklich?

In einem Satz lässt sich diese Frage wohl nicht beantworten, denn Meik Wiking hat inzwischen ganze Bücher zur Frage geschrieben. Die Titel: Hygge (Dänisch für Gemütlichkeit) und Lykke (Dänisch für Glück). Fakten, Tipps, Erfahrungen und andere Betrachtungen zum Thema sind dort zu finden. Einige davon will ich als ersten Eindruck hier erwähnen: Es fahren zum Beispiel 63 % der Kopenhagener, die in der Stadt wohnen und arbeiten, mit dem Fahrrad zur Arbeit. Die körperliche Betätigung mindestens 2 x am Tag mit all ihren positiven Effekten könnte also gut ein Glücksfaktor sein. Auch Einstellung zur Arbeit, Einteilung von Arbeitszeit werden als mögliche Faktoren angeführt. Und eines ist auch interessant, um auf die erwähnten Zahlen zurückzukommen: Glück scheint besonders nachhaltig zu sein, wenn es abgekoppelt ist von Geld oder besser von Dingen, die wir für Geld kaufen können. Ein Motto aus Wikings Buch lautet daher: Buy memories, not things. Die Daten weisen also darauf hin, dass gute Erinnerungen, z. B. an Begegnungen mit Menschen, an schöne besondere Erlebnisse, an Reisen, einen größeren und nachhaltigeren Beitrag zum Glücklichsein leisten als die Anschaffung materieller Gegenstände. Und zum Punkt Reisen erzählt der Autor von den Erfahrungen einer Dänin, die es sich für ein ganzes Jahr zur Aufgabe gemacht hatte, ohne finanzielle Ausgaben (außer für Essen und das Allernötigste) zu reisen! Es sei ihr zuerst schwer gefallen, aber zunehmend habe sie die Hindernisse überwunden und inzwischen sei es ein Art des Reisens, die sie weiterhin mit Freude fortsetze! Die Beispiele zeigen, dass es hier viel zu erforschen und viele Erfahrungen zu machen gilt. Aber eines gilt meiner Ansicht nach auch: Wir sollten uns bewusst machen, dass Glück nicht nur etwas ist, dass uns zufällt oder nicht. Wir entscheiden auch, ob wir uns wegen oder trotz der Umstände glücklich fühlen können. Denn manchmal, gerade wenn das Glück fern scheint, hilft es den Blick bewusst auf etwas zu richten, dass uns schon glücklich gemacht hat oder oft glücklich macht. Wir können dann erkennen, dass das Glück immer irgendwo ist – wenn wir versuchen es zu sehen.

 

Foto: https://www.stockfreeimages.com/27889649/Yin-Yang.html

Veröffentlicht von Beatrice Rathey-Pötzke

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