5000 Neue

Was haben „Europagedanke“ und „Tikitaka“ gemeinsam? Warum gehören „Tüddelkram“ und „Internetblogs“ irgendwie zusammen? Was haben „Zipphosen“ mit der „work-life-balance“ zu tun?

Es würde einem sicherlich gelingen – wenn auch nur mit viel Phantasie – einen semantischen Bezug zwischen den Begriffen herzustellen, aber hier besteht die Gemeinsamkeit in der Tatsache, dass die genannten Wörter seit neustem im Duden stehen, der nach drei Jahren in einer neuen Auflage erschienen ist.

Mit den oben erwähnten wurden insgesamt 5000 Neue in die Deutsche Sprache eingebürgert. Darunter wie zu erwarten auffällig viele mit englischen Wurzeln („facebooken“, „taggen“, „Couchsurfing“) aber auch überraschendes Neudeutsch wie z.B. „Schleckzeug“, „runterwürgen“ und „Schmähgedicht“.

Einmal mehr ein Beweis, wie lebendig unsere deutsche Sprache ist, die in der Gruppe der Inhaltswörter (Nomen, Verben, Adjektive) eine offene Klasse darstellt, die bereitwillig neue Wörter integriert. Voraussetzung ist, dass die Begriffe im vergangenen Zeitraum seit dem Erscheinen der letzten Dudenausgabe im gesellschaftlichen Diskurs eine Rolle gespielt haben. Ist das nicht mehr der Fall, erhalten diese Wörter keinen Lexikoneintrag mehr (man denke z.B. an „Lichtspielhaus“, „Nasenfahrrad“, „hanebüchen“).

Man könnte kontrovers diskutieren ob die aussterbenden Wörter nicht manchmal sehr viel schillernder klingen als die aktuellen Neuerscheinungen in der Sprachwelt, aber hier soll nicht einer konservativen Sprachbewahrung gehuldigt werden. Es lässt sich ohnehin nicht vermeiden, dass es Neuerungen gibt und viele sind ja auch sinnvoll oder zumindest praktisch. Abgesehen davon bekommt die Gesellschaft auch immer die Wörter, die sie verdient und die zu ihr passen. Deshalb verwundert es für eine medienaffine und Selbstoptimierung und Selbstdarstellung betreibende Bevölkerung nicht, wenn „karrieregeil“, „Selfiesticks“, „Klickzahl“, „Quotenkönig“ oder „Ramschniveau“ allzu häufig in den Mund genommen werden.

Dabei muss man ja nicht mitmachen, sondern man kann die Wörter einfach nicht verwenden, die man nicht mag. Vielleicht funktioniert dann ja auch in unserer Sprache langfristig das Prinzip, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt, und in der nächsten Dudenausgabe sind die unliebsamen Bezeichnungen wieder verschwunden.

 

Veröffentlicht von Norbert Frantzen

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